Kürzlich habe ich einen Brief von meinem 11-jährigen Großneffen bekommen, über den ich mich sehr gefreut habe. Er war handgeschrieben! Wann haben Sie ihren letzten handgeschriebenen Brief erhalten oder selbst verfasst? Das ist heute eher selten geworden. Vielleicht ist der Herbst dazu die richtige Jahreszeit? So heißt es in einem Gedicht „Herbsttag“ von Rainer Maria Rilke: „Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben.“
In der Antike war Briefe schreiben Schwerarbeit. Deshalb wurden die meisten Briefe einem Schreiber diktiert. Zudem konnte damals ja nicht jeder lesen und schreiben. Der Apostel Paulus konnte es. Aber dennoch geht man davon aus, dass er die Briefe, die uns in der
Hl. Schrift von ihm erhalten sind, diktiert hat und am Schluss noch einen persönlichen Gruß dazu schrieb. Eine Ausnahme bildet der Philemonbrief, den er selbst geschrieben haben soll. In den Lesungen bis zum Christkönigssonntag hören wir zur Zeit Abschnitte aus dem 1. Brief an die Thessalonicher. Paulus hat die Gemeinde gegründet, lebte und arbeitete dort einige Zeit. Wie lange genau, wissen wir nicht. Da er verfolgt wurde, musste er weiterziehen. Es wird von Athen berichtet und später von Korinth. Er möchte aber gerne wissen, wie es den Gläubigen in Thessalonich geht, wie sich die Gemeinde entwickelt hat. Deshalb hat er Timotheus zu ihnen geschickt. Dieser kam mit guten Nachrichten zurück. Paulus ist hocherfreut und fühlt sich mit ihnen herzlich verbunden. Das teilt er ihnen im 1. Thessalonicherbrief mit. Er ist voller Dankbarkeit und lobt sie für ihren „Glauben, der sich durch die Tat beweist, eure Liebe durch eure Mühe und eure Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus durch eure Ausdauer“ (1Thess1, 3b). Eingeschlossen in den Dank berichtet er von der Missionstätigkeit der Apostel. In den Kapiteln 4 und 5 gibt er ihnen verschiedene Ratschläge mit auf den Weg, damit sie als christliche Gemeinde dem Evangelium treu bleiben, den Frieden bewahren und in der Liebe zueinander wachsen. Den Abschluss bilden noch Segen und Gruß. Es lohnt sich, den Brief einmal als ganzen zu lesen!
Wie wird es in unseren Gemeinden in Zukunft weitergehen? Wir sind es gewohnt, dass der Apostel, sprich die Hauptberuflichen, immer da sind. Damals hat der Apostel eine Gemeinde gegründet und höchstens zwei Jahre dort gelebt. Danach zog er weiter, besuchte sie vielleicht ein paar Mal oder schrieb einen Brief an sie. Ein Modell auch für unsere Zukunft???
Elisabeth Beyer
Bild: Pfarrbriefservice



