Fasching hat in Europa viele Gesichter: bunte Kostüme, laute Musik, Umzüge, Lachen. Für manche ist es nur ein kurzer Ausbruch aus dem Alltag, für andere ein notwendiges „Genießen“, bevor die Fastenzeit beginnt. Doch Fasching ist mehr als ein lautes Fest vor der Stille – er hält uns einen Spiegel vor.
In der Tradition erlaubt Fasching das Rollenwechseln: Der Arme wird zum König, der Stille laut, der Ernsthafte verspielt. Gerade darin liegt seine Tiefe. Für einen Moment fallen Masken – paradoxerweise, indem wir neue aufsetzen. Wir entdecken Seiten an uns, die im Alltag keinen Platz haben. Vielleicht erinnert uns Fasching daran, dass wir mehr sind als unsere Rollen, unsere Berufe, unsere Erwartungen.
Auch die Bibel kennt diesen Perspektivwechsel. Paulus schreibt: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17). Freiheit heißt nicht Beliebigkeit, sondern die Möglichkeit, neu zu werden. Fasching kann ein solcher Freiraum sein: ein Üben im Loslassen, ein Spiel mit Identitäten, bevor wir uns in der Fastenzeit bewusst auf das Wesentliche konzentrieren.
Die Frage ist nicht, ob wir feiern dürfen – sondern wie. Feiern wir, um zu vergessen? Oder feiern wir, um das Leben in seiner ganzen Zerbrechlichkeit zu bejahen? Jesus selbst nahm an Festen teil, er verwandelte Wasser in Wein. Doch immer ging es ihm um den Menschen, nicht um den Exzess.
Vielleicht hilft uns Fasching, uns selbst ehrlicher zu begegnen: Was trage ich sonst verborgen? Was darf wieder leicht werden? Wer bin ich ohne Maske? Wenn Fasching uns darauf vorbereitet, mit offenen Augen und offenem Herzen in die Fastenzeit zu gehen, dann ist er kein Gegensatz zur Besinnung – sondern ihr Anfang.
Pfarrer Prakash
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