Die Älteren unter uns erinnern sich an diesen spannenden Krimi mit Sidney Poitier. Der Film spielt in einer Kleinstadt im Süden der USA in den 60er Jahren. Ein einflussreicher Investor wird ermordet aufgefunden, und der Ermittler Virgil Tibbs – er ist auf der Durchreise – wird allein wegen seiner Hautfarbe als Verdächtiger verhaftet. Das Missverständnis klärt sich auf. Der Polizeichef Gillespie (Rod Steiger) und Tibbs lösen gemeinsam den Fall. Unterschwellig ist die rassistische Grundhaltung in der Hitze des Südens jeder Zeit spürbar. Diese Hitze ist den ganzen Film über sichtbar. Die Hauptdarsteller haben permanent Schweißperlen auf der Stirn – wie um auszudrücken, wie aufgeheizt das gegenseitige Misstrauen ist.
Hitze war das am häufigsten gebrauchte Wort in den vergangenen Wochen. Hitze, die unserem Erdball zu schaffen macht. Hitze, die auf den Äckern die Frucht klein hält. Hitze, die Betonplatten auf Autobahnen wölbt. Hitze in den politischen Debatten um Renten- und Gesundheitsreformen. Hitze in den WM-Stadien, abgesehen von Arenen mit Klimaanlage – wie irre. Hitzige Duelle auf dem Rasen, die im Gegensatz zu kriegerischen Konflikten mit einer roten Karte geahndet werden können.
Der überhitzte CO₂-Wert wird bei diesem Event mit den horrenden Eintrittspreisen in Kauf genommen. Genauso wie das Wettrüsten, das 5% der weltweiten Emissionen erzeugt. Was überhitzt bekommt Risse, platzt, geht durch die Decke oder explodiert – irgendwann. Ist auf Dauer nicht zu kontrollieren. Das muss nicht immer schädlich sein. Wenn es das System mit seinem Aktienhype zu bunt treibt und ein paar wenige auf Kosten von Milliarden die Welt mit ihrem Über-Ego überziehen, kann eine Abkühlung gut tun.
Beispiele gibt es in der Geschichte zu Hauf. Revolten und Revolutionen mit berechtigten Ansinnen endeten leider meistens in neuen Blutbädern. In der Kirchengeschichte war es eine Frau zu Beginn der Neuzeit, die in ihren Fiebernächten Visionen von einer ganz anderen als der zeitgenössischen Kirche vor Augen hatte. Teresa von Avila hatte den Mut, dem Papst zu kontern. Eine Kirchenlehrerin ersten Ranges. Aus der Hitze der nächtlichen Jesusbegegnung schöpfte die zeitlebens gesundheitlich angeschlagene Teresa Kraft für ihre beschwerlichen Reisen. Viele Frauen und Männer in den von ihr gegründeten Klöstern schafften den Sprung in den „mystischen Brunnen“.
Vermutlich haben Sie in einer heißen Nacht auch den Vollmond bestaunt. Die vier noch lebenden von den 12 Astronauten, die einst unseren kosmischen Begleiter betreten haben, werden sich bei diesem Anblick fragen, warum es hier nicht gelingt, mit vielen kleinen Schritten einen großen Schritt für die Menschheit zu machen. Virgil Tibbs und William Gillespie werden am Ende des Films zwar keine Freunde fürs Leben, aber immerhin Kollegen, die sich mit Respekt begegnen.
Text/Foto: Wolfgang Fimpel



