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Kürzlich hatte ich ein kleines Erlebnis, das mich aufhorchen ließ. Ich war in einem Versicherungsbüro und wartete auf meinen Termin. Da kam ein Mitarbeiter und ging an den Computer. Er suchte etwas, wurde aber offensichtlich nicht fündig. Als die Sekretärin nachfragte, was er denn suche, antwortete er: „Ich suche…mich.“ Ich musste unwillkürlich schmunzeln über diese Doppeldeutigkeit. Er suchte seinen persönlichen Ordner, aber seine Hilflosigkeit hätte man auch anders deuten können.
Suchen ist eine häufige Tätigkeit von uns Menschen. Zum Glück gibt es heutzutage Suchmaschinen, die unser Leben erleichtern. Wollen wir etwas wissen, etwas erklärt bekommen, über eine Person erfahren, dann nichts wie an den Computer. Doch gilt das für alle Fragen? Für Fragen wie: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Wozu lebe ich? Bei sogenannten Sinnfragen muss ich die Lupe wohl woanders ansetzen. Dafür sind die Religionen zuständig; daneben gibt es heute unzählige esoterische Angebote, die Antworten anbieten. Es ist meine Entscheidung, wo ich suche und wovon ich mich ansprechen lasse.
Das Christentum ist keine Selbsterlösungs-
religion, d.h. mein Heil hängt nicht von meiner eigenen Anstrengung ab. Es ist auf ein DU hin angelegt. Es gibt einen Erlöser, Jesus Christus, zu dem ich kommen darf. Im Sonntagsevangelium hören wir aus den Abschiedsreden Jesu. Er sagt zu seinen Jüngern: Ihr werdet mich suchen! Und den Frauen am Grab wird gesagt: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Auf der Suche nach uns selbst können wir in einen Dialog mit Gott kommen, IHM unsere Fragen stellen. Jesus Christus ist unser Ansprechpartner. Er lädt uns ein: „Nehmt euer Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele“. Mt 11,29.
Suchen und Finden. Es ist wichtig, immer wieder aufzubrechen, neue Fragen zu stellen, erste Schritte zu machen wie die Frauen, die zum Grab geeilt sind oder Maria von Magdala, die IHM sogar begegnen durfte. Suchen und Finden.


Elisabeth Beyer

Bild: Pixabay