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sind diese Gedanken über die Farbe blau nicht geschrieben; ein Urlaubs- und Ferienfarbtupfer – nicht mehr und nicht weniger – weil wir in dieser Zeit auch mal gerne, zwanglos, ins Blaue aufbrechen, zu einer Fahrt ins Blaue. Farben sind Ausdruck und Träger unserer Stimmungen und Eigenschaften; ihre Bedeutung ist nicht einheitlich, sie ist oft sogar widersprüchlich. Deshalb: blau (wie alle anderen Farben auch) nur schön zu reden, geht gar nicht. „Blau machen“, „das Blaue vom Himmel herunterreden“, „sein blaues Wunder erleben“, „mit einem blauen Auge davonkommen“, „blauäugig handeln oder argumentieren“, „ein blauer Brief“, schließlich „Blau ist keine Farbe, sondern ein Zustand“ … wir sehen, keine rosarote Brille fürs Blau.
Aber: sie ist eben doch auch schön, die Farbe blau, wunderschön, betörend schön, von magischer Anziehungskraft. Es ist die Farbe des Firmaments, Sinnbild des Himmels, des Himmlischen. „Weißt du, wieviel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?“ Es ist die Farbe des Meeres, der unendlichen Weite des Meeres, des Überirdischen, der Transzendenz, des Göttlichen und – der Sehnsucht. Wonach? „Wenn alles Blau der Welt verblasste / und Meer und Himmel farblos blieben, / wo fänd‘ dein Sehnen Zuflucht noch / und wo dein Träumen süße Tiefen?“ dichtet der Lyriker Hans Munch (*1958). Der weltberühmte russisch-französische, jüdische Maler Marc Chagall (†1985), auch „Meister des Blaus“ genannt, hat für den Mainzer St. Stephansdom einen unnachahmlichen Fensterzyklus gestaltet, dessen „Blau als Farbe des Himmels Ruhe ausstrahlt und eine Ahnung von dem unergründlichen Gott vermittelt“( Klaus Mayer). In der Bibel steht blau als ein immer wiederkehrendes Symbol für Gottes heilige Gegenwart und Bundestreue zu seinem Volk. Zur Muttergottesfarbe in der Kunst hat sich blau vielfach herausgebildet in der sinnbildlichen Zuschreibung von Klarheit, Reinheit, Unberührtheit. Nur zwei „nahe“-liegende sehenswerte Beispiele: das Glasfenster (hinten) in der Seitenkapelle der Salvatorkirche unseres Aalener Künstlers Rudolf Hägele (1926-1998) und das ergreifende Kuppelfresko von Martin Knoller „Die Darstellung des Herrn im Tempel“ in der Abteikirche Neresheim.
Schlussendlich: die Lyrikerin Waltraud Grießer spricht uns Vertrauens-Mut zu, Wage-Mut, keinesfalls blauäugig, in unserer hinten und vorne, oben und unten, bei Gott nicht Schwere-losen Zeit, auf unserem „blauen Planeten“ zu „verharren – im augenblick – und – gehen – die distanz – aufgeben – die stützpfeiler – hinter mir lassen – ins blaue hinein -die grenze – überschreiten – und spüren – die flügel tragen“

Odilia Sproll (Text und Bild)