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Den perfekten Pfarrer gibt es nicht. Die einen sind gute Zuhörer und einfühlsame Seelsorger und auf der anderen Seite fremdeln sie bei Leitungs- und Verwaltungsaufgaben. Die anderen könnten ohne weiteres in einem Großkonzern als Manager anfangen und führen andererseits jeden Smalltalk mit einer Hausmeisterin distanziert wie ein Geschäftsmeeting. Was einen guten Pfarrer ausmacht, entscheiden oft auch die Leute. Die einen wünschen sich einen Pfarrer von Ars, die anderen einen ewig jungen, dynamischen Jugendseelsorger, der sich Tag und Nacht für die Gemeinden bis zur völligen Erschöpfung verausgabt.
Wolfgang Sedlmeier hat seine Entscheidung, Priester zu werden, nicht bereut. Da gibt es durchaus andere Kollegen, die sich mit der Priesterrolle und nicht allein mit dem Zölibat zeitlebens schwer tun. Wolfgang ist selbstkritisch genug, um ganz bewusst von Priesteridealen abzuweichen. Er sagt gerne von sich, dass er Konflikte nicht scheut, ja sich darin gut behaupten kann. Das hat er in Aalen gezeigt, nicht immer, wie er selbst anmerkt, zu aller versöhnten Zufriedenheit.
Wir als Team waren froh, als Wolfgang vor nahezu 10 Jahren zu uns kam. Er hat unsere Runde souverän geleitet. Mit am Tisch waren die Sekretärinnen in der sogenannten „Bürorunde“. Auch ein Indiz für ein gutes Miteinander auf Augenhöhe. In den bisweilen schwäbisch-barock angehauchten, sprich klerikalen Gottesdiensten, hat die Gemeinde gespürt, wie wichtig ihm die Verkündigung ist und dass er theologisch ne Menge drauf hat. Überhaupt staunen viele über das tiefgründige geschichtliche und kunsthistorische Wissen von Wolfgang. Bei den Kulturfahrten brauchten die TeilnehmerInnen, die schon längst ans Vespern dachten, viel Geduld. Im Berufsalltag hat Wolfgang gerne delegiert. Wir als Team fühlten uns gut mit seinem Vertrauen begleitet. Vor allem schätzen wir – da gehe ich von mir aus – die damit verbundene große Freiheit.
Bei unseren Teamsitzungen hat Wolfgang ab und an aus einem, ihm sehr ans Herz gewachsenen Bändchen mit Schriften von Tagore zitiert. Oder war’s Laotse? Diese Weisheit gilt für uns alle: „Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen“.
Wir wünschen dir, Wolfgang, für deine neue Stelle und danach für den priesterlichen Ruhestand vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und die seelsorgerliche Erfahrung, dass du anderen Menschen weiterhin wichtig bist 😊. Niemals geht man so ganz, und du bist ja in und um und um Ulm herum nicht aus der Welt.

Wolfgang Fimpel
Fotos: Privat