3 Monate lang haben wir gefeiert, dass sich nach gut 300 Jahren Pause wieder eine katholische Gemeinde in Aalen gegründet hatte – vor 150 Jahren. Die große Gemeinschaft von 5 Gemeinden, die sich heute auf dem ursprünglichen Territorium befinden, feierten dies einträchtig und harmonisch.
Persönlich bin ich mehr als zufrieden mit unseren Festwochen. Die Rahmenbedingungen waren ungünstig. Wir befinden uns in einer großen Krise der Kirche. Die Austrittszahlen aus unseren Gemeinden sind gewaltig. Die Frage, ob wir wegen der Corona-Pandemie überhaupt zusammenkommen dürfen, überschattete die Vorbereitungen bis in den Sommer hinein. Schließlich waren aber fast alle Veranstaltungen, bei denen es gute Gespräche, intensive Begegnungen und dichte Momente gab, möglich.
Zunächst wurde das Jubiläum mit den neuen Glocken für Heilig-Kreuz eingeläutet – dank der großzügigen Gabe der evangelischen Gemeinde, der Glockenstifter und von vielen, vielen Spendern, die dem Glauben im Hüttfeld eine bronzene Stimme geben wollten. Dann die neuen Kirchenführer, die vermutlich auf Jahre hinaus den Interessierten Auskunft geben werden, um das Wie, Was und Warum unserer Gotteshäuser. Die gesamte Arbeit erfolgte in Eigenleistung und findet allseits Anerkennung und Wertschätzung. Das „Spiel ohne Grenzen“ auf der Kolpinghütte fand als einzige Veranstaltung nicht statt. Der Kälteeinbruch Ende September machte dem Organisationsteam einen Strich durch die Rechnung. Danach kam die Gemeindeerneuerung mit Pater Felix Körner SJ aus Berlin. Die Mischung aus Vortrag, geistlicher Übung und Diskussion fand großes Interesse. 5 Abende und ein Schlussgottesdienst führten unseren Blick auf die Mitte unseres Glaubens. Wie gut und wohltuend, uns dabei als Glaubensgemeinschaft zu erleben. Danach kamen die Gottesdienste der Missionsgruppen, die den Blick auf die Weltkirche weiteten. Denn auch dies macht Kirche aus, dass wir weltweit miteinander glauben, miteinander beten und miteinander teilen. Dichte Gottesdienste, gemeinsames Essen und die Begegnung mit Menschen aus Asien und Afrika brachten die Begegnung mit der weiten Welt. Abends dann zu Gast bei den Freunden und Freundinnen der kroatischen Gemeinde. Mit großzügiger Gastfreundschaft schenkten sie uns einen tiefen Einblick in ihre nationale und religiöse Geschichte, bewegten die Herzen mit Gesang und den farbenfrohen Trachten ihrer Heimat und luden später an überreich beladene Tische zum Gastmahl ein. Einen ganz anderen Akzent setzte die Weststadt mit einer Dance Night in St. Ulrich. Ein richtig schöner, beschwingter und fröhlicher Abend, der Junge und Alte, Frauen und Männer, Klerus und Laien zusammen feiern ließ. Ein weiteres Glanzlicht war der Abend mit Dominique, unserem Pfarrvikar, der uns Menschen, Geschichte, Leben, Kultur und Essen der Elfenbeinküste nahebrachte. Hier erzählten junge Afrikaner und Afrikanerinnen von der Liebe zu ihrem und dem Stolz auf ihr Land. Sie erzählten nicht das so oft gesungene Lied vom Schwarzen Krisenkontinent, sondern von Lebensgefühl einer jungen Nation, die sich nach der Kolonialzeit etwas Neues und Gutes aufgebaut hat. Schließlich kam der große Gottesdienst zum Jubiläum mit Domkapitular Stäps, Oberbürgermeister Brütting und Dekan Drescher als besondere Gäste. Die Chöre verliehen diesem Ereignis strahlende Festlichkeit, und der Gottesdienst war katholisch feierlich ohne abgehoben zu sein. Wohltuend waren die Worte des Oberbürgermeisters, der in diesen für die Kirche schwierigen Zeiten seinen Dank und seine Wertschätzung für die Arbeit unserer Gemeinden aussprach. Schließlich endete das 150Jahr-Jubiläum mit dem Patrozinium der italienischen Gemeinde. Sie hatte ja in den letzten Jahren einen besonders schwierigen Weg und war nun doch ganz die alte: herzlich, emotional, gastfreundlich und fromm. Mit einem feierlichen italienischen Gottesdienst und einem großen Gemeindefest gestalteten sie einen wunderbaren Ausklang der Feierlichkeiten. Grazie mille ihnen und ein großes Dankeschön allen, die vorbereitet, organisiert und durchgeführt haben.
Vergelt’s Gott für alles Engagement. Wie schön, dass die vielen Veranstaltungen so gut besucht waren. Noch schöner aber ist es, dass wir uns trotz aller Krisen und Probleme so entspannt als Gemeinschaft im Beten und Begegnen erleben durften. „Wie gut und schön ist es, wenn Schwestern und Brüder einträchtig beisammen sind“, meint da Psalm 133 und dann weiter: „Das ist wie köstliches Salböl, das vom Kopf hinabfließt auf den Bart…., wie der Tau des Hermon, der auf den Zion niederfällt, wo der HERR Leben und Segen spendet in Ewigkeit.“
Pfarrer Wolfgang Sedlmeier



