Eine römische Sage erzählt, dass sich mitten in der Stadt Rom ein gewaltiger Graben aufgetan habe. Dieser sei sehr bedrohlich gewesen und habe die ganze Stadt und deren Zusammenhalt gefährdet. Um die Gefahr abzuwenden habe man nun das Orakel befragt, was zu tun sei, um das Unglück abzuwenden. Das Orakel antwortete, dass sich der Graben schließen würde, wenn die Römer das Wertvollste, das sie hätten, in den Graben werfen würden. Schwer sei es Ihnen gefallen, kostbare Stoffe, wertvolles Geschirr, ja Gold und Silber in das unheimliche Loch zu werfen, doch um das Unheil abzuwenden, überwanden sie sich und gaben das Wertvollste an Hab und Gut, das sie besaßen. Der klaffende Graben verschluckte alles, aber er schloss sich nicht. Da sei ein römischer Reitersoldat mit Pferd und Rüstung herangestürmt und habe laut gerufen „das Wertvollste Roms, sind seine Männer, die für ihre Stadt kämpfen“ und habe sich mit Ross und Rüstung in den Abgrund gestürzt. Sogleich habe sich die Öffnung geschlossen und nie wieder aufgetan.
In den letzten Wochen begegne ich immer wieder der Sorge, wie es denn in der Gemeinde weitergehen soll, jetzt, da bewährte Mitarbeiter ihren Dienst beenden, wo eine grundlegende Neuorganisation der Kirche in unserer Diözese ansteht und wo das Geld ausgeht, das so manches noch ermöglichte, was sonst längst hätte aufgegeben werden müssen.
Als ich darüber nachdachte, fiel mir diese alte römische Geschichte ein. Ja, da tut sich ein mächtiger Graben in unserer Kirche auf, der Angst macht und der mit Gold und Silber nicht zu füllen ist. Klar ist es, dass wir keine Reitersoldaten und opferbereite Kämpfer brauchen, damit der Glaube auch weiterhin lebt. Aber es gibt hunderte, ja wirklich hunderte Männer, Frauen und Kinder, die bereit sind, sich für ihren Glauben und ihre Kirche einzusetzen. Sie schenken einen Teil ihrer Freizeit, ihrer Begabungen, ihrer Freude, ihrer Ideen, ihrer Liebe usw. Gott, ihren Mitmenschen und für eine bessere Welt. Wozu also die Angst, dass die Herausforderungen nicht gemeistert werden könnten. Überall stehen Kirchengemeinderäte mit ihren gewählten Vorsitzenden bereit, um die Vielfalt zu koordinieren und zu ordnen. Überall gibt es Begabungen und Engagement. Und es braust der Heilige Geist: „Warum habt ihr solche Angst?“, sagt Jeus dazu, „Habt ihr noch keinen Glauben?“ (Mk 4,40)
Deshalb dürft Ihr eine neue, spannende und erfüllende Zeit des Glaubens erwarten. Da bleibt nur noch Gutes, Mut und das Vertrauen auf Gott zu wünschen, dass dieser Aufbruch wegen der lähmenden Sorge nicht verpasst wird.
Das meint Ihr Wolfgang Sedlmeier
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