Es lag in der Luft, dass mein Abschied aus Aalen naht. Immer wieder wurde ich diesbezüglich angefragt, aber von Seiten der Diözese wurde mir auferlegt, dass ich bis zu diesem Wochenende darüber schweigen solle: Ende August wird mein Dienst in den Gemeinden in Aalen enden. Schon vor einem Jahr wandte ich mich an unseren Bischof mit der Bitte, mich nochmals zu versetzen. Es waren mehrere Gründe, die mich dazu veranlasst haben. Der wichtigste: Als ich im März 2017 in der Seelsorgeeinheit begann, stürzte dies die Gemeinde St. Maria in eine tiefe Krise. Durch viele Jahre in einem schmerzhaften Prozess und in einem intensiven Ringen entschloss sich die Seelsorgeeinheit, Bischof Fürst darum zu bitten, die Kirchen Heilig Kreuz, St. Michael und St. Augustinus aufgeben zu dürfen. Kurz danach verließ Pfarrer Angstenberger die Gemeinde, und ich sollte dieses Konzept umsetzen. Ich persönlich halte ein solches Vorgehen für grundsätzlich falsch. Als nun viele auf mich zukamen, um den Abriss von St. Augustinus zu verhindern, schlug ich mich auf deren Seite. Der KGR St. Maria verstand dies als eine Missachtung seiner Arbeit. Daraufhin folgten für alle Seiten schmerzhafte Auseinandersetzungen, die tiefe Wunden rissen. Ich sagte mir damals, wenn man große Entscheidungen trifft, muss man noch 5 Jahre in der Gemeinde bleiben, um diese umzusetzen. Da nun große Entscheidungen und Leitungsaufgaben in Blick auf die Schaffung neuer Gemeindestrukturen anstehen, will ich nichts entscheiden, was ich nicht mehr umsetzen kann.
Ein weiterer Grund war das Gespräch mit einem Gemeindemitglied, das mit sagte: „Du bist langsamer geworden und hast keine neuen Ideen mehr.“ Nun, Ideen hätte ich wohl noch, aber keine Kraft mehr diese umzusetzen.
Hinzukam, dass ich gesundheitlich abbaue und aus meinem Verwandten- Freundes- und Bekanntenkreis in den letzten 2 Jahren 8 Menschen verstorben sind, die in etwa mein Alter hatten. Das Thema Vergänglichkeit beschäftigt mich sehr.
Kurz und gut: ich kam zum Schluss, dass es jetzt Zeit ist, die Leitung aufzugeben und zu den Ursprüngen meiner Berufung, der Seelsorge, zurückzukehren. In Ulm-Wiblingen werde ich, so Gott will, noch für knapp zwei Jahre Pfarrvikar, und das tun, was die Jahre in Aalen immer zu kurz gekommen ist, Menschen im Glauben zu begegnen und zu begleiten. Dass ich von Aalen weitgehend in Frieden und versöhnt gehen darf, erlebe ich als großes Geschenk. Noch aber ist es nicht so weit, wir haben noch einige Zeit, um Lebewohl zu sagen.
Wolfgang Sedlmeier



