Am dritten Sonntag unserer Fastenpredigtreihe durften wir in der Augustinuskirche eine besondere Gastrednerin begrüßen: Bilgehan Asena Ayvaz, islamische Theologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster. Die in Aalen geborene Referentin entführte die Gemeinde mit ihrem Vortrag „Die Tradition des Fastens. Eine muslimische Perspektive“ in die spirituelle Tiefe des Ramadan – und zeigte dabei, wie nah sich christliche und islamische Fastenkultur sind.
Mit klaren Worten skizzierte sie zunächst die äußeren Rahmenbedingungen des Fastenmonats, um dann die innere Dynamik dieser Praxis zu entfalten: Wie das Fasten nicht nur körperlichen Verzicht und Umstrukturierung des Alltags bedeutet, sondern eine innere Einkehr und Neuausrichtung impliziert: Es geht um Versöhnung mit dem Nächsten, bewusstes Leben in der Gegenwart Gottes, gelebte Gemeinschaft und Verantwortung für die Schöpfung. Besonders berührend war ihr Appell, das Fasten als Schulung für ein waches Verständnis für das „Anderssein“ des anderen zu begreifen.
Lebendig und mit großer Präsenz sprach Bilgehan Asena Ayvaz, beantwortete die zahlreichen Fragen der Gemeinde mit Weitsicht und Herzlichkeit. Im Anschluss luden türkischer Tee und Baklava zum Verweilen ein – eine willkommene Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Die zahlreichen muslimischen Gäste, die noch im Glanz ihres Festes des Fastenbrechens strahlten, teilten ihre Erfahrungen – und wir spürten, wie sehr uns das Zuhören und Verstehen bereichert. Dass wir an diesem Abend so unbefangen und herzlich ins Gespräch kamen, war ein Geschenk. Möge diese Offenheit uns begleiten – weit über die Fastenzeit hinaus.
Text/Foto: Maria Eßeling



